27.10.25
Vogelgrippe, künstliches Licht und der Vogelzug – ein längst bewiesener Zusammenhang
Drei Bilder, eine Studie – und ein deutliches Warnsignal: Nächtliche künstliche Beleuchtung im Freien beeinflusst das Verhalten von Zugvögeln, verändert Rastplatzdynamiken und kann so indirekt zur Verbreitung von Viren wie der Vogelgrippe beitragen.
Die ersten beiden Aufnahmen zeigen eindrucksvoll, wie
unzureichende Lichtplanung an einem neu errichteten
Logistikzentrum in unmittelbarer Nähe eines bedeutenden
Rastplatzes die Umgebung massiv verändert.
Wie der Fotograf Steffen Goldberg beobachtete, rücken die Vögel
mit Einsetzen der Nacht enger zusammen, um dem grellen
Lichtschein auszuweichen – ideale Bedingungen, damit sich
Erreger leichter ausbreiten können.
Spoiler 1: Nach dem Engagement ehrenamtlicher Naturschützer
wurde die Beleuchtung inzwischen angepasst.
Spoiler 2: Dabei wären technische Vorgaben nicht nur möglich,
sondern rechtlich geboten – etwa auf Grundlage des BImSchG
(Bundes-Immissionsschutzgesetz) und des BNatSchG
(Bundesnaturschutzgesetz). Eigentlich hätte es gar nicht so
weit kommen dürfen.
Das dritte Bild – aufgenommen von Spitzbube von De Feldabrücke – zeigt das sogenannte Himmelsleuchten (Skyglow): eine diffuse Lichtglocke über Städten und Gemeinden. Dieses Streulicht hellt durch Reflexion weite Teile der Umgebung auf und beeinträchtigt damit den nächtlichen Vogelzug, der größtenteils in der Nacht stattfindet. Auch wichtige Rastplätze werden so negativ beeinflusst.
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu liegen längst vor:
Eine neue Studie von US-Forschern zeigt: Vögel singen in stark beleuchteten Regionen im Schnitt 50 Minuten länger pro Tag als in dunkleren Gegenden. Die Ursache ist die zunehmende Lichtverschmutzung, die den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus stört.
Analysiert wurden Daten von 583 tagaktiven Vogelarten weltweit – mithilfe der App BirdNET, die mithilfe künstlicher Intelligenz Vogelstimmen erkennt. In besonders hellen Gebieten begannen die Vögel im Durchschnitt 18 Minuten früher zu singen und hörten 32 Minuten später auf.
Am stärksten betroffen sind Arten mit großen Augen, offenen Nestern, weiten Verbreitungsgebieten und Zugverhalten, besonders während der Brutzeit. Welche Folgen das für die Tiere hat, ist noch unklar. Längere Aktivitätszeiten könnten sowohl Stress und Schlafmangel verursachen als auch die Nahrungssuche oder Paarung beeinflussen. Die Forschenden fordern daher weitere Studien.
