Künstliches Licht bei Nacht (ALAN) beeinträchtigt biologische Prozesse und kann Lebensräume für Tiere regelrecht zerschneiden. Eine Studie von Challéat et al. (2021) schlägt deshalb ein neues Konzept vor: ein „Dark Ecological Network“ – ein ökologisches Netzwerk der Dunkelheit.
Lichtverschmutzung betrifft inzwischen große Teile Europas. Sie beeinflusst unter anderem den Schlaf, den Stoffwechsel und die natürlichen Aktivitätsrhythmen von Menschen und Tieren. Besonders betroffen sind nachtaktive Arten: Fledermäuse meiden beleuchtete Bereiche, Insekten werden von Lichtquellen angezogen und Zugvögel können in ihren Wanderungen gestört werden. Dadurch können wichtige Nahrungs-, Fortpflanzungs- und Rastgebiete voneinander getrennt werden.
Das Konzept des „Dark Ecological Network“ verfolgt daher das Ziel, Dunkelheit gezielt zu erhalten und wieder miteinander zu verbinden. Bestehende dunkle Räume sollen durch Korridore, Pufferzonen und geeignete Rastgebiete zu einem zusammenhängenden Netzwerk entwickelt werden. Dabei sollen ökologische Erkenntnisse ebenso berücksichtigt werden wie die Bedürfnisse der Menschen.
Ein wichtiger Ansatz ist dabei nicht nur, Lichtimmissionen zu minimieren, sondern unbeleuchtete Bereiche als wichtige Lebensräume zu schützen und auszuweiten. So können beispielsweise sensible Fledermauslebensräume, Vogelzugrouten oder Gebiete mit besonderer Bedeutung für Insekten gezielt berücksichtigt werden. Auch das zeitweise Abschalten öffentlicher Beleuchtung kann positive Auswirkungen haben.
Ein solches Netzwerk hätte zugleich eine Bedeutung für uns Menschen: Wo künstliches Licht den Nachthimmel nicht überstrahlt, bleibt die Erfahrung einer natürlichen, dunklen Nacht und eines sichtbaren Sternenhimmels erhalten.
Die Forschenden sehen darin einen ganzheitlichen Ansatz, der bestehende Schutzmaßnahmen miteinander verbindet und Dunkelheit als Teil unserer natürlichen Umwelt stärker in den Naturschutz integriert.
Dunkelheit ist kein ungenutzter Raum – sie ist Lebensraum.
Grundlage:
Challéat, S.*, Barré, K.*, Laforge, A., Lapostolle, D., Franchomme, M., Sirami, C., Le Viol, I., Milian, J. and Kerbiriou, C. (2021), „Grasping darkness: the dark ecological network as a social-ecological framework to limit the impacts of light pollution on biodiversity“, Ecology and Society 26(1): 15. Science for Environment Policy, Ausgabe 569, 14.10.2021. Aus: https://environment.ec.europa.eu/research-and-innovation/science-environment-policy_en 14th October 2021, Issue 569
Eine Studie aus Science of The Total Environment zeigt, dass künstliches Licht (ALAN) und Zersiedelung die Pendelrouten des Großen Mausohrs zwischen städtischen Quartieren und nächtlichen Jagdgebieten im Wald erheblich stören. GPS-Daten von 38 Flugpfaden belegen, dass die Fledermäuse Straßenlaternen und stark versiegelte Flächen meiden, was durch energetisch aufwendige Umwege die Kolonien gefährdet. Um die Tiere zu schützen, empfehlen die Forscher den Erhalt unbeleuchteter, grüner Korridore in der Stadtplanung. Weitere Einzelheiten zur Studie finden Sie im Bericht des IPN - Leibniz Institute for Science and Mathematics Education und unter: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048969725026592

Die Nacht ist ein wichtiger Bestandteil unserer Natur. Tiere und Pflanzen sind in ihrem Lebensrhythmus an den natürlichen Wechsel von Tag und Nacht angepasst. Doch künstliches Licht verändert diese natürliche Dunkelheit zunehmend.
Lichtverschmutzung nimmt weltweit zu und beeinträchtigt die biologische Vielfalt. Sie kann Lebensräume zerstören oder voneinander trennen und wirkt sich auf zahlreiche Tier- und Pflanzenarten aus.
Besonders deutlich wird das bei nachtaktiven Tieren: Zugvögel können durch künstliches Licht die Orientierung verlieren, Insekten werden von Lampen angezogen und sterben dort häufig durch Erschöpfung oder Hitze. Fledermäuse meiden beleuchtete Bereiche, während andere Arten das Licht nutzen und dadurch ihr natürliches Verhalten verändern. Auch Amphibien, Reptilien, Fische, Spinnen und Säugetiere sind betroffen.
Die Auswirkungen reichen bis zu den Pflanzen. Künstliches Licht kann beispielsweise Blüte, Laubentwicklung und andere jahreszeitliche Abläufe verändern. Werden nachtaktive Bestäuber durch Beleuchtung gestört, kann außerdem die Bestäubung von Pflanzen zurückgehen.
Besonders problematisch ist, dass Licht Lebensräume fragmentieren kann. Tiere werden entweder von Lichtquellen angezogen oder meiden beleuchtete Bereiche. Dadurch entstehen für manche Arten unüberwindbare Barrieren und isolierte Lebensräume.
Die Lösung: „Dark Infrastructure“
Ähnlich wie bei der „Grünen und Blauen Infrastruktur“ sollen dabei wertvolle Lebensräume und dunkle Korridore miteinander verbunden werden. Ziel ist es, ausreichend dunkle Bereiche zu erhalten und wiederherzustellen, damit sich nachtaktive Tiere sicher bewegen können.
Dafür muss zunächst untersucht werden, wo Lichtverschmutzung besonders problematisch ist und welche Lebensräume betroffen sind. Anschließend muss die Beleuchtung gezielt angepasst werden.
Die wichtigste Maßnahme ist einfach: unnötige Beleuchtung vermeiden oder ganz entfernen.
Wo Licht notwendig ist, wird empfohlen:
Dabei geht es auch, aber nicht nur um Energieeinsparung. Eine gute Beleuchtungsplanung muss die Auswirkungen auf Natur und Artenvielfalt berücksichtigen.
Quelle: Romain Sordello, Fabien Paquier & Aurélien Daloz (2021): „Dark Infrastructure: an ecological network for night-time wildlife“, Office français de la biodiversité (OFB), Trame verte et bleue Centre de ressources, September 2021: https://www.trameverteetbleue.fr/documentation/references-bibliographiques/dark-infrastructure-ecological-network-night-time

